Vorteile und Unterschiede nicht brennbarer Schweißtrennmittel

von Florian Görlitz verfasst am 04.05.2021 09:02:12

Ob Schweißschutzspray, Schweißschutzpaste oder Emulsion: Trennmittel fürs Schweißen gibt es in vielen Varianten auf dem Markt – für den Einsatz am Schweißbrenner, am Werkstück oder sogar für beides.

Sie alle dienen dazu, zeitaufwendige Nacharbeiten durch das Entfernen von Schweißspritzern am Werkstück zu vermeiden, Stillstandzeiten durch häufige Verschleißteilwechsel zu reduzieren wie auch dafür zu sorgen, dass dem Schweißprozess dienende Werkzeuge wie Spannvorrichtungen stets voll einsatzbereit bleiben.

Welche Rolle spielt es dabei, ob ein Schweißtrennmittel brennbar oder nicht brennbar ist? Und sind alle nicht brennbaren Trennmittel gleich gut?

Wir geben Ihnen einen Überblick zu den Vorteilen und Unterschieden nicht brennbarer Schweißtrennmittel und zeigen Ihnen, worauf Sie achten sollten.

Schutz gegen Schweißspritzer durch den Einsatz der richtigen Schweißtrennmittel

Spritzer beim Schweißen lassen sich meist nicht komplett vermeiden, besonders beim MIG-Schweißen oder MAG-Schweißen. Daher ist es wichtig, diese schnell und unkompliziert wieder entfernen zu können. Brennbare sowie nicht brennbare Schweißtrennmittel erfüllen beide ihren Zweck bei der täglichen Schweißarbeit: Sie helfen, das Festbrennen von Schweißspritzern am Werkstück, Werkzeug oder der Gasdüse des Schweißbrenners zu vermeiden und sorgen somit für unterbrechungsfreies, konstantes Arbeiten. Ausschuss und Nacharbeit werden erheblich reduziert und somit Zeit und Geld eingespart.

Während des Schweißprozesses sollte man deshalb das Schweißtrennmittel immer griffbereit haben, um es jederzeit einsetzen zu können. Daher sind Spray, Paste & Co. meist direkt neben der Werkbank in greifbarer Nähe zu finden.

Brennbare Trennmittel beim Schweißen können dabei schneller als gedacht zur Gefahr für den Schweißer und alle Personen in der Umgebung werden. Denn beim Schweißen geht es heiß her und es fliegen Funken. Das kann sehr unangenehm werden, wenn einer dieser Funken beim Schweißen überspringt und dadurch z.B. eine Dose Schweißschutzspray zu einem brennenden Geschoss wird! Oder das Trennmittel selbst geht beim Schweißen in Flammen auf und stellt ein Sicherheitsrisiko für den Schweißer dar. Ein Funke reicht oft auch aus, um den vom Wegwischen mit brennbarem Trennmittel getränkten Lappen zu entzünden. Und Feuer in der Produktion will keiner!

Gut, dass es auch nicht brennbare Alternativen gibt, damit man beim Schweißen auf der sicheren Seite ist!

Vorteile nicht brennbarer Schweißtrennmittel

Schweißschutzsprays enthalten als Treibmittel meist ein Gemisch aus Propan und Butan. Das macht sie leicht entzündlich. Daher gibt es oft Einschränkungen und besondere Auflagen was Transport oder Lagerung angeht und sie können auch nicht überall zum Einsatz kommen wie z.B. in geschlossenen Räumen ohne ausreichende Belüftung, im Behälter- und Schiffbau oder generell in Ländern und Märkten, in denen brennbare Schweißtrennmittel verboten sind.

Weiterhin besteht jederzeit die schon erwähnte Gefahr, dass ein brennender Lappen oder Funken auf einer Dose oder Flasche landet und somit ein erhebliches Sicherheitsrisiko für den Schweißer besteht.

Nicht brennbare Trennmittel können hier ihre Vorteile ausspielen, denn sie haben zum einen nahezu keine Auflagen bei Transport und Lagerung und können selbst in engen Bauteilen und Räumen mit eingeschränkter Belüftung zum Einsatz kommen. Zum anderen besteht nicht die Gefahr, dass das Trennmittel selbst in Flammen aufgeht und der Schweißer einem unnötigen Risiko ausgesetzt wird, da sie auf wasserlöslicher Basis hergestellt sind.

Ein weiterer oft unterschätzter Vorteil ist auch der Kostenfaktor: Das Treibgas (Propan/Butan) füllt bei brennbaren Trennsprays meist schon den Großteil der Spraydose und das Trennmittel macht einen deutlich kleineren Teil des Inhalts aus. Somit zahlen Sie häufig mehr Geld für das Treibgas anstatt für das eigentliche Trennmittel. Bei nicht brennbaren Sprays ist der Hauptbestandteil des Doseninhalts das Trennmittel selbst. Sie zahlen also nur für das, was sie wirklich benötigen!

Doch nicht alle unbrennbaren Schweißtrennmittel auf dem Markt sind gleich. Auch hier gibt es Unterschiede, die bei der Auswahl des passenden Trennmittels beachtet werden sollten.

Unterschiede bei nicht brennbaren Schweißtrennmitteln

Was genau heißt eigentlich „nicht brennbar“? Welche Anforderungen muss ein Schweißtrennmittel erfüllen, um als „nicht brennbar“ zu gelten und welche Unterschiede gibt es bei den Herstellern?

Bei der Einstufung gelten unterschiedliche Vorschriften und Richtlinien:

 

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Zunächst gibt es die Richtlinien der GHS. GHS steht für „Global Harmonisiertes System (GHS) zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien“. Die Einstufung wird nach Einzelrohstoffen des Gesamtproduktes vorgenommen in Bezug auf die Gefahrstoffkennzeichnung. Schweißtrennmittel zählen zur Gruppe der Chemikalien. Es geht also darum zu entscheiden, ob ein Schweißtrennmittel einen Gefahrstoff darstellt und welche Kennzeichnung erforderlich ist.

Geht es speziell um die Brennbarkeit bzw. Entzündbarkeit, dann gelten Chemikalien laut GHS als nicht entzündbar, wenn sie Temperaturen bis 60 °C ausgesetzt werden können ohne in Flammen aufzugehen. Sie benötigen dann kein Gefahren-Piktogramm in der Kennzeichnung.

Darüber hinaus gibt es speziell für Sprays aus Druckgasdosen die „Richtlinie 75/324/EWG des Rates zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Aerosolpackungen“ (Prüfung nach Aerosolrichtlinie).

Unter diese Richtlinie fallen alle Schweißschutzsprays, da sie laut Definition zu den Aerosolen bzw. Aerosolpackungen gehören. Die Prüfung nach Aerosolrichtlinie stuft ein Aerosol als „nicht entzündbar“ ein, wenn es 1% oder weniger entzündbare Bestandteile enthält und seine chemische Verbrennungswärme weniger als 20 kJ/g beträgt. Dies wird bei Sprühaerosolen – dazu zählen alle Arten von Schweißschutzsprays – zusätzlich durch einen Flammsprühtest und/oder Fasstest nachgewiesen.

Schweißschutzsprays, die ein Propan/Butan-Gemisch als Treibmittel enthalten, fallen nach diesen Testkriterien in die Kategorie „brennbar“. Schweißschutzsprays, die nicht entzündbare Treibgase wie z.B. Stickstoff, Druckluft oder Kohlendioxid enthalten, werden als „nicht brennbar“ eingestuft.

Die Brennbarkeit bzw. Unbrennbarkeit des Aerosols in seiner Gesamtheit wird durch diese Richtlinien geprüft und geht somit noch über die GHS-Anforderungen hinaus, welche sich nur auf die Inhaltsstoffe beziehen. 

Bei beiden Richtlinien stellt sich allerdings die Frage: Ist die Sicherheit bei der Anwendung von Schweißtrennmitteln damit gewährleistet? Kann ich Trennmittel, die nach diesen beiden Regelwerken als „nicht brennbar“ eingestuft wurden, tatsächlich auch beim Schweißen unbedenklich verwenden?

Laut GHS-Richtlinie muss ein Gemisch einem Temperaturbereich bis 60 °C standhalten, um als „nicht brennbar“ eingestuft zu werden – die Temperaturen beim Schweißen liegen allerdings weit über 60 °C!

Sprüht man sein Werkstück z.B. mit einem herkömmlichen als nicht brennbar geltenden Schweißtrennspray ein oder benetzt es mit einer herkömmlichen nicht brennbaren Emulsion und beginnt dann direkt mit dem Schweißen („Überschweißen“ bzw. „Durchschweißen“), kann es schnell trotz der Einstufung „nicht brennbar“ zum Entflammen des Trennmittels kommen. Der Schweißer selbst merkt unter Umständen nicht sofort, dass es brennt, wenn er mit abgedunkeltem Visier voll konzentriert seiner Arbeit nachgeht und nur die Helligkeit des Lichtbogens vor Augen hat. Durch die Schutzkleidung kann es ebenfalls dazu kommen, dass man erst verspätet merkt, dass die ersten Flammen schon den Körper erreicht haben.

Die gute Nachricht ist: Es gibt es auch Schweißtrennmittel, die den gängigen Temperaturen beim Schweißen standhalten ohne in Flammen aufzugehen!

ABICOR BINZEL hat einen eigenen Standard – den ABICOR BINZEL NF-Standard – entwickelt, der weit über die Bestimmungen des GHS sowie der CLP-Verordnung zur Einstufung der Entflammbarkeit hinausgeht.

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ABICOR BINZEL Produkte werden dabei eigens entwickelten, speziell für die Schweißtechnik entworfenen sowie praxisnahen Tests unterzogen. Bei diesen Tests wird eine Vielzahl gängiger Kombinationen von aktiven Schutzgasen, unterschiedlichsten Werkstücken und Schweißprozessen angewendet, um nachzuweisen, dass das Trennmittel sich nicht entzündet und so höchstmögliche Sicherheitsanforderungen zu gewährleisten.

Nur die Produkte, die alle Tests bestehen ohne zu entflammen, dürfen die Bezeichnung „NF“ (non flammable = nicht brennbar) im Namen tragen und bekommen einen eigenen Stempel. Dieser kennzeichnet auf einen Blick, welche Produkte dem ABICOR BINZEL NF-Standard entsprechen und sorgt entsprechend für mehr Sicherheit für Schweißer und Unternehmen. Denn für uns gilt: Safety first!

„Nicht brennbar“ sind viele Schweißtrennmittel, doch nur ABICOR BINZEL NF-Produkte gewährleisten eine Übererfüllung der gesetzlichen Regeln und Normen und geben dem Schweißer maximale Sicherheit!

Somit müssen Sie sich weniger Gedanken über Anwendung, Lagerung, Transport und Sicherheit machen und können sich ganz auf das Schweißen konzentrieren!

Eine Übersicht aller NF-Produkte von ABICOR BINZEL finden Sie in diesem Flyer.

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Themen: Schweißchemie, Schweißtrennmittel