Praxis-Tipps Schweißen: Wolframelektroden

von Richard Baumann verfasst am 22.10.2020 13:21:18
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Zuletzt aktualisiert am: 26.02.2026

 

Fein gearbeitete Schweißnähte, saubere Schweißverbindungen, hochwertige Materialien – willkommen in der Welt des WIG-Schweißens und der Wolframelektroden. Die Wahl der richtigen Wolframelektrode ist für das WIG-Schweißen genauso wichtig wie die Stromdüse beim MAG-Schweißen. Das Angebot an WIG-Elektroden auf dem Markt ist genauso bunt wie die Farbkodierung, die jeden einzelnen Wolframelektrodentyp kennzeichnet. In diesem Artikel möchten wir Ihnen einen hilfreichen Überblick über die wesentlichen Wolframelektroden geben, um Ihnen die Auswahl für den Kauf zu erleichtern.

Wolframelektroden_Banner

Wolframelektroden und ihre Dotierungen

WIG-Schweißelektroden haben als Hauptbestandteil Wolfram, doch sind bis auf die reine Wolframelektrode (WP grün) alle anderen mit weiteren Elementen angereichert, was man als Dotierungen bezeichnet. Man spricht hier auch von Wolframdotierungen. Durch die zusätzlichen Elemente bekommen die Elektroden ihre ganz bestimmten Eigenschaften, um den Schweißprozess zu optimieren. Diese sind im Folgenden näher beschrieben.

 

Welche Wolframelektrode ist die richtige für meinen Schweißprozess?

 

Die Wahl der richtigen Wolframelektrode bzw. ihrer Dotierung hängt maßgeblich von der Schweißaufgabe ab: Schon ob Sie Gleichstrom oder Wechselstrom schweißen wollen, grenzt die Auswahl an Elektroden ein, denn nicht jeder Typ eignet sich auch für Wechselstrom, was beispielsweise für Aluminiumschweißen verwendet wird. Je nach Stromart, Schweißaufgabe und zu schweißendem Material werden reine Wolframelektroden verwendet oder solche, denen oxidische Zusätze meist bestehend aus Seltenen Erden beigemischt sind. Diese Zusätze sind Zirkoniumoxid (ZrO2), Lanthanoxid (La2O3), Ceroxid (CeO2) oder Thoriumoxid (ThO2) – und alle haben unterschiedliche Eigenschaften.

 

Die Dotierungselemente und ihre Wirkung:

  • Zirkoniumoxid hält die Verdampfung gegenüber reinen Wolframelektroden geringer und ermöglicht einen stabileren Lichtbogen .
  • Lanthanoxid hat besonders gute Zündeigenschaften und gibt den Elektroden eine längere Haltbarkeit.
  • Ceroxid verleiht einer Wolframelektrode sehr gute Zünd- und Wiederzündeigenschaften.
  • Thoriumoxid schafft einen sehr stabilen Lichtbogen, ist durch seine Radioaktivität allerdings stark gesundheitsschädigend und als Zusatz bei Wolframelektroden mittlerweile in vielen Ländern verboten. Wird Thoriumrauch oder -staub nämlich eingeatmet, kann es sich in der Lunge ablagern und zu einer inneren Strahlenbelastung führen.

Die reine Wolframelektrode (WP grün) ermöglichen einen sehr ruhigen Lichtbogen. Oxidhaltige Elektroden lassen sich dagegen besser zünden, haben eine hohe Strombelastbarkeit und längere Lebensdauer.

 

Es ist also offensichtlich, dass die Wahl der richtigen WIG-Elektrode für eine Schweißaufgabe maßgeblich davon abhängt, worauf man seinen Schwerpunkt beim WIG-Schweißen legt.

 

Die im Folgenden dargestellte Wolframelektroden-Tabelle gibt Ihnen einen Überblick über die gängigsten Typen und deren Eignung bzw. Eigenschaften. Verschweißen Sie überwiegend hochlegierte Stähle oder Aluminium? Ist Ihnen die Standzeit der Elektrode wichtiger oder ihre Zündfähigkeit? Mit dieser Tabelle können Sie Ihre Vorauswahl erheblich erleichtern.

 

Tabelle Wolframelektroden-Auswahl

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Ein Blick auf die Tabelle zeigt deutlich zwei Typen Wolframelektroden, die universell eingesetzt werden können. Erfahren Sie dazu im Folgenden mehr.

 

Wolframelektroden-Farben und ihre Anwendung

E3® PRO

  • »Das beste Stück« und eine Weiterentwicklung der bewährten E3® von ABICOR BINZEL
  • Besondere Zusammensetzung aus Oxiden Seltener Erden, die durch ein neu entwickeltes Herstellungsverfahren ein besonders feines und homogenes Gefüge hat
  • Für alle Applikationen und Werkstoffe geeignet
  • Noch bessere Zündeigenschaften im Vergleich zur E3® – insbesondere im niedrigen Amperebereich – und noch längere Standzeiten
  • Für Gleich- und Wechselstrom geeignet
  • Für Handschweißen und automatisiertes Schweißen
  • Absolut ungiftig für Mensch und Umwelt

Farbkodierung mit Mischung aus Seltenen Erden ist:
Lila & Gold = E3® PRO

Wolframelektroden-gold_lila_E3_PRO

E3®

  • Mischung aus Oxiden der Seltenen Erden
  • Für nahezu alle Metalle einsetzbar
  • Hervorragende Zündeigenschaften
  • Durchweg niedrige Elektrodentemperatur, höhere Standzeit als thorierte WIG-Elektroden
  • Für Handschweißen und automatisiertes Schweißen
  • Ungiftig für Mensch und Umwelt

 

Farbkodierungen mit einer Mischung aus Oxiden der Seltenen Erden ist:

Lila = E3®Wolframelektroden-lila_620x200px

 

WLa

  • Wolframelektrode mit dem Dotierungselement Lanthanoxid
  • Kann für Gleich- sowie Wechselstromschweißen eingesetzt werden
  • Überwiegend zum Schweißen von unlegierten und hochlegierten Stählen, Aluminium-, Titan-, Kupfer- und Magnesiumlegierungen genutzt, ebenso im Mikro-Plasma-Schweißen

 

Farbkodierungen mit Lanthanoxid sind:

Gold = WLa 15 – mit 1,3 % bis 1,7 % Lanthanoxid

Schwarz = WLa 10 – mit 0,8 % bis 1,2 % Lanthanoxid

Blau = WLa 20 – mit 1,7 % bis 2,2 % Lanthanoxid

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WCe

  • Durch den Bestandteil von Ceroxid höher belastbar als eine WIG-Elektrode mit reinem Wolfram – allerdings weniger als die E3®- und Lanthan-Elektroden
  • Wird vor allem im mittleren und unteren Stromstärkenbereich eingesetzt zum Schweißen von unlegierten und hochlegierten Stählen sowie Aluminium-, Kupfer-, Nickel-, Titan- und Magnesiumlegierungen
  • Für Gleich- sowie Wechselstromschweißen geeignet, jedoch weniger gut als die E3®-Elektroden

 

Farbkodierung mit Ceroxid ist:

Grau = WCe 20 – mit 1,8 % bis 2,2 % Ceroxid

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WP

  • Besteht aus reinem Wolfram
  • Wird ausschließlich im Wechselstromschweißen eingesetzt
  • Ideale Elektrode für das Schweißen von Aluminiumlegierungen, da ihr Schmelzpunkt mit 3.422 °C ideal hoch ist für das Schweißen mit Wechselstrom
  • Wolfram hat außerdem einen hohen Widerstand sowie eine sehr hohe Korrosionsbeständigkeit

 

Farbkodierung mit reinem Wolfram ist:

Grün = W – aus reinem Wolfram ohne Oxidbestandteil

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WZr

  • Zusatz von Zirkoniumoxid verringert die Gefahr, die Schmelze zu verunreinigen
  • Wird überwiegend für das Wechselstromschweißen verwendet, eignet sich nur bedingt für das Gleichstromschweißen
  • Zirkoniumoxid sorgt für eine schön stabile Kalotte beim Wechselstromschweißen
  • Zündet beim Gleichstromschweißen eher schlecht.

 

Farbkodierungen mit Zirkoniumoxid sind:

Braun = WZr 03 – mit 0,15 % bis 0,5 % Zirkoniumoxid

Weiß = WZr 08 – mit 0,7 % bis 0,9 % Zirkoniumoxid

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Tipp:

Die WZr und die reine Wolframelektrode sollten nur noch mit den alten Ein-Phasen-WIG-Stromquellen verwendet werden.

 

Hände weg von Wolframelektroden mit Thorium!

WIG-Elektroden mit Thoriumoxid als Dotierungselement sind aufgrund ihrer radioaktiven Eigenschaften extrem gesundheitsschädlich und in mehreren Ländern mittlerweile verboten. In der DGUV-Information 208-049 wird darauf verwiesen, dass thoriumoxidhaltige Wolframelektroden gemäß Abschnitt 4.2 (1) der TRGS 528 „nur noch aus produktspezifischen Anforderungen (zwingend technischen Gründen) verwendet werden“ dürfen und die Vorgaben der Strahlenschutzverordnung zu beachten sind. Für Betriebe ist die Verwendung von thoriumhaltigen WIG-Elektroden mit hohen Auflagen verbunden. Am besten Hände weg von Wolframelektroden mit Thorium!

 

Wann entsteht eine Gefährdung beim Einsatz einer Wolframelektrode mit Thorium?

 

Von thoriumhaltigen Wolframelektroden geht bereits beim Schleifen eine Gefahr aus. Wird eine WIG-Elektrode mit Thoriumbestandteil angeschliffen, muss eine Absaugung mit Entstaubern der Staubklasse H verwendet werden. Filter dieser Klassifizierung können hochgefährliche Stäube wie gesundheitsgefährdende Stoffe abscheiden. Gleiches gilt für das Schweißen mit thoriumhaltigen Wolframelektroden.

 

Wie kann man eine Wolframelektrode mit Thorium von einer E3® oder einer E3® PRO unterscheiden?

 

Wolframelektroden mit Thorium haben die Farbkennung Rot. E3®-Elektroden haben die Farbkennung Lila und E3® PRO haben die Farbkennung Lila & Gold.

 

Generelle Schutzmaßnahmen beim WIG-Schweißen

Gemäß DGUV* muss die Gefährdung der Beschäftigten durch Schweißrauche nach dem Stand der Technik verringert werden (Einhaltung der Staubgrenzwerte). Gefahrstoffe sollen an deren Entstehungsstelle erfasst werden – mithilfe der sogenannten Punktabsaugung – falls es nicht möglich ist, das WIG-Schweißen durch ein anderes emissionsfreies Fügeverfahren zu ersetzen. Der Grund: Die Gefahrstoffe dürfen nicht in den Atemtrakt der schweißenden Person oder der in der Umgebung arbeitenden Menschen gelangen. Bei der Auswahl der Absaugung muss berücksichtigt werden, dass die Rauchgas-Erfassungselemente nahe genug an den Schweißstellen positioniert sind. Dabei muss darauf geachtet werden, dass während des Absaugprozesses der Absaugluftstrom keine Auswirkung auf die Schutzgasabdeckung hat.

 

Gibt es eine Sorte unter den WIG-Elektroden, die man für alle Schweißaufgaben einsetzen kann?

Ja, die gibt es: E3® PRO (Lila & Gold) oder E3® (Lila). Beide Wolframelektrodentypen sind langlebige WIG-Schweißelektroden, die beste Ergebnisse garantieren. Sie sind nicht nur für die Schweißfachkraft und ihre Gesundheit die bessere Alternative zu anderen Elektroden, sondern auch für die Umwelt. Schleifstäube, Filterstäube und Reststücke sind nämlich kein Sondermüll, auch Transport und Lagerung bedürfen keiner speziellen Schutzmaßnahmen, weil sowohl die E3®-als auch die E3® PRO-Elektroden absolut frei von radioaktiven Bestandteilen sind.

 

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E3® PRO- und E3®-Wolframelektroden entsprechen der Norm EN ISO 6848 und werden wie alle WIG-Schweißelektroden aus dem Produktportfolio von ABICOR BINZEL im eigenen Produktionsnetzwerk gefertigt und zeichnen sich durch höchste Produktqualität aus. Jede Verpackung dieser Wolframelektrodentypen besitzt eine Chargennummer, was bei Bedarf die Rückverfolgung garantiert. Auf Wunsch erhalten Sie auch ein Produktionszertifikat und ein Sicherheitsdatenblatt. Fragen Sie uns gerne.

 

Die Vorteile der E3® PRO und E3®-Elektroden auf einen Blick:

  • »Coole« Elektrodenspitze
  • Hervorragende Zünd- und Wiederzündeigenschaften
  • Hohe Lichtbogenstabilität
  • Geringer Abbrand
  • Hohe Strombelastbarkeit
  • Geringe Deformation der Elektrodenspitze
  • Die E3® PRO eignet sich für alle Schweißaufgaben

 

Zum Schluss noch eine Anwendungsfrage:

 

Wie lange sollte eine Wolframelektrode vorn aus der Gasdüse herausschauen? Gibt es eine allgemeine Regelung?

 

Eine allgemeine Regelung gibt es nicht. Manche Anwender sagen, so weit, wie die Elektrode angeschliffen ist. Wir sagen: Das kommt auf den jeweiligen Anwendungsfall an. Beim Schweißen einer Kehlnaht muss die WIG-Elektrode weiter aus der Gasdüse herausschauen als beim Schweißen einer Stumpfnaht. Ebenso wird der Elektroden-Stickout der Größe und Weite der Gasdüse angepasst. Bei einer kleinen Gasdüse muss die Wolframelektrode nicht so weit herausschauen wie bei einer großen Gasdüse mit großem Durchmesser.

 

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen bei der Wahl Ihrer Schweißelektrode beim WIG-Schweißen und Ihnen die Qualität der Schweißnaht wichtig ist, sollten Sie die E3® PRO- oder die E3®-Wolframelektrode von ABICOR BINZEL unbedingt testen!

 

Haben Sie bereits mit der E3® oder mit der E3® PRO geschweißt? Dann teilen Sie uns gerne in den Kommentaren Ihre Erfahrungen mit.

 

Happy Welding!

 

*Formblatt FBHM-135 »Fachbereich AKTUELL«, Gefährdungen durch Gefahrstoffe beim Wolfram Intertgasschweißen (WIG) – Präventionsmaßnahmen, Stand: 21.07.2023


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Themen: WIG