Die häufigsten Fragen zum Gas-Management-System EWR 2

von Scott Huber verfasst am 16.08.2021 09:48:50
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Als die erste Version des EWR veröffentlicht wurde, erreichten uns viele Fragen zur Leistung und den Funktionen des Geräts und wie genau es den Schutzgasfluss steuert bzw. „managt“.

Nachdem nun die Nachfolgeversion 2.0 des EWR - das EWR 2/EWR 2 Net – auf dem Markt ist, möchten wir einige der häufig gestellten Fragen aufgreifen, die wir zum ursprünglichen EWR erhalten haben, und sie für die aktuelle Generation des Gas-Management-Systems aktualisieren.

1. Was genau ist das EWR 2?

Das EWR 2 (Electronic Welding Regulator) ist ein elektronisches Gas-Management-System zur Steuerung des Schutzgasflusses für Lichtbogenschweißprozesse. Die Kombination aus Regulierung des Gasflusses auf Basis des Schweißstroms, Verhinderung von Druckspitzen beim Start und schnell regelnden Magnetventilen ermöglicht eine erhebliche Reduzierung des Schutzgasverbrauchs und deutlich präzisere Steuerung des Gasflusses im Vergleich zu anderen Gasregelsystemen.

2. Wie funktioniert die Gasversorgung durch das EWR 2?

Zu Beginn des Prozesses wird das Gas, das sich zwischen dem Ausgang des EWR 2 und dem Eingang des Gasmagnetventils im Draht-Vorschubkoffer befindet, auf einen vorbestimmten Druck zwischen 0,2 und 2,0 bar (2,9 und 29 psi) in einem Nicht-Durchflusszustand eingestellt. Dieser Druck wird von der EWR 2-Einheit während des strömungsfreien Zustands ständig überwacht und aufrechterhalten. Der erforderliche Druck wird durch verschiedene Faktoren bestimmt, wie z. B. die Länge des Gasschlauchs zwischen dem EWR 2-Ausgang und dem Gasmagnetventil im Draht-Vorschubkoffer, Durchmesser des Schlauchs sowie Biegungen und Schlaufen im Schlauch. In diesem Schlauchabschnitt wird ein Gasvordruck gehalten. Wenn das Magnetventil geöffnet wird, strömt dieses unter Druck stehende Gas in den Schweißbrenner, um den Brenner von Feuchtigkeit und Atmosphäre zu befreien, die sich möglicherweise in der Brennergasleitung gebildet haben, während nicht geschweißt wurde.

Shunt_EWR_2Während des Schweißvorgangs überwacht das EWR 2 den Schweißstrom über einen Shunt und dosiert das Schutzgas anhand der Stromstärke des Schweißlichtbogens. Das Gerät passt den Gasfluss gemäß einer dem Schweißprozess entsprechend eingestellten Kennlinie an. Der Durchfluss kann erhöht oder reduziert werden, indem der Startpunkt der Kurve angepasst wird, wie auf der linken Seite des Diagramms angegeben. Der höchste Gasfluss für diese Einstellung ist auf der rechten Seite des Diagramms dargestellt und die Stromstärkenbereiche sind im unteren Bereich angegeben.

Am Ende des Schweißvorgangs wird der Lichtbogen über die Prozesssteuerung (Schweißgerät) abgeschaltet und das Gasmagnetventil schließt sich. Der Stromabfall führt zu einer Verringerung des Gasflusses entsprechend der obigen Kurve. Das Ventil im EWR 2 schließt vollständig, wenn der erforderliche Ausgangsdruck in der Leitung erreicht ist.

Hinweis zu Vor- und Nachströmzeit: Nur, weil kein Schweißstrom vorhanden ist, bedeutet das nicht, dass kein Gas strömt. Es bedeutet, dass der Gasfluss vom EWR 2 aktiv gesteuert wird, jedoch keine Anpassungen basierend auf dem Shunt-Signal vorgenommen werden. Angenommen, das Magnetventil bleibt offen und es fließt kein Schweißstrom, dann strömt das Gas mit dem Gasfluss, welcher auf der linken Seite des obigen Diagramms angegeben ist. Dieser entspricht in der Regel den Anforderungen der Vor- und Nachströmzeit des jeweiligen Prozesses. Der Gasfluss der Vor- und Nachströmzeit kann bei Bedarf auch über die Service-Software angepasst werden.

EWR_2_Saving_Potential_DE_02

EWR_2_Saving_Potential_DE_01

3. Reduziert das EWR 2 Gasspitzen zu Beginn eines Schweißvorgangs?

Ja, das EWR 2 reduziert auftretende Gasspitzen zu Beginn einer Schweißung.

Sehen Sie sich das Vergleichsdiagramm an, das Lichtbogenstarts mit herkömmlichen mechanischen Methoden (linke Seite des Diagramms) im Vergleich zu einem Lichtbogenstart mit dem EWR 2 (rechte Seite des Diagramms) zeigt:

EWR_2_Elimination_of_gas_peaks_DE_01

Auf der linken Seite des Diagramms ist die Spitze der Kurvenlinie am Anfang die Gasmenge, die beim Zünden des Lichtbogens (zum Prozessstart) verwendet wurde. Die Spitze ist im Vergleich zum restlichen Gasfluss während des gesamten Schweißzyklus auffällig hoch.

Auf der rechten Seite ist der Gasverbrauch beim Zünden des Lichtbogens nicht vom restlichen Gasverbrauch während des gesamten Schweißprozesses zu unterscheiden.

Beim Vergleich der beiden Diagramme ist auch der Abfall des Gasflusses zum Prozessende auffällig. Auf der linken Seite ist das Magnetventil an der Stromquelle die wichtigste mechanische Funktion zum Unterbrechen der Gaszufuhr. Wie das Diagramm zeigt, wird das Ventil langsam geschlossen und der Gasfluss angehalten, während der Gasschlauch mit dem vollen Gasdruck gefüllt wird. Auf der rechten Seite reduziert das schnell regelnde Magnetventil den Gasfluss sofort, sobald der Schweißstrom nicht mehr erkannt wird und die Gasnachströmzeit beendet wurde.

EWR_2_Elimination_of_gas_peaks_DE_02

4. Kann das EWR 2 durch ein Passwort geschützt werden?

Die Hardware des EWR 2 ist passwortgeschützt und über das LED-Display zugänglich. Um auf die Hardware des EWR 2 zuzugreifen und die Einstellungen zu ändern, ist ein vierstelliges numerisches Passwort erforderlich. Bitte beachten Sie hierzu die Betriebsanleitung.

Um Einstellungen zu ändern, kann auch auf die Software des EWR 2 zugegriffen werden. Hierbei wird ein alphanumerisches Passwort für unterschiedliche Benutzergruppen verwendet: den Anwender, den Einrichter und den Kundendienstmitarbeiter (nur von ABICOR BINZEL). Bitte beachten Sie hierzu auch die Betriebsanleitung. Das Passwort des EWR 2 kann individuell über die Servicesoftware geändert werden.

5. Funktioniert das EWR 2 bei manuellen und automatisierten Schweißanwendungen?

Ja, das EWR 2 Gas-Management-System kann sowohl bei manuellen Schweißprozessen als auch bei Roboterschweißanwendungen eingesetzt werden. Konzept und Funktionsweise des Gerätes ändern sich prozessbedingt nicht.

6. Funktioniert das EWR 2 auch bei Gasflaschen-Bündeln und Ringleitungen?

Ja, das EWR 2 funktioniert sowohl bei Gasflaschen, bei Gasflaschen-Bündeln als auch bei Ringleitungen, vorausgesetzt der Gasdruck wird im Durchfluss zwischen 1 und 6 bar (15 und 87 psi) geregelt. Ein niedrigerer Druck führt zu einer Fehlermeldung des Geräts; ein höherer Gasdruck kann zu einer möglichen Beschädigung des Geräts führen (Hinweis: maximal 6 bar / 87 psi). Das EWR 2 kann mit jeder Kombination von Gasen verwendet werden. Auch Mehrgaskombinationen wie Misch- oder Tri-Gase können verwendet werden.

Hinweis: Das EWR 2 muss an jeweils einer Stromquelle installiert werden. Ein Gerät kann nicht für mehrere Schweißlichtbögen eingesetzt werden.

7. Wie weit vom Schweißbrenner entfernt kann ein EWR 2 montiert werden?

Aktuell ist die volle Funktionsfähigkeit mit einer Entfernung bis zu 30 m vom Magnetventil getestet und bestätigt worden. Wenn eine größere Entfernung erforderlich ist, wenden Sie sich bitte an einen ABICOR BINZEL Produktexperten oder den ABICOR BINZEL Customer Service.

8. Können EWR 2-Geräte beim WIG-Schweißen oder MIG/MAG-Impulsschweißen verwendet werden?

Ja, EWR 2 Geräte funktionieren auch beim WIG-Schweißen. Die Shunts können sowohl mit MIG/MAG als auch mit WIG arbeiten. Daher ist kein spezieller WIG-Shunt erforderlich.

EWR 2 Gas-Management-Systeme arbeiten auch gut beim Pulsschweißen und verwenden dabei den durchschnittlichen Strom für den Impulslichtbogen.

9. Woher weiß ich, wie viel Gas ich verbrauche?

Das EWR 2 ist mit einem LED-Display ausgestattet, das den Eingangsdruck und den Gasfluss anzeigt, der von der Gas-Entnahmestelle an den Schweißbrenner geliefert wird.

Weiterhin wird das EWR 2 Net mit einem Service-Softwarepaket geliefert, das die Einstellung, Datenprotokollierung und Fernüberwachung des Gasflusses ermöglicht, sofern es an das lokale Netzwerk (LAN) angeschlossen ist. Wenn nicht, kann eine USB-Buchse von einem Computer an die Hardware angeschlossen werden, um Einstellungen anzupassen, die Leistung anzuzeigen und Daten zu protokollieren. Der Anschluss über USB ist nur für den vorübergehenden Gebrauch gedacht und sollte nicht im Dauerbetrieb verwendet werden, da das Gerät nicht vollständig gegen das Eindringen von Schmutz von außen geschützt ist.

Es gibt auch Fehlermeldungen, die EWR 2-Geräte anzeigen, wenn ein Problem mit dem Gasfluss vorliegt. Eine vollständige Liste der Fehler und deren Bedeutung finden Sie in der Betriebsanleitung „Fehlermeldung“ in Abschnitt 10.

10. Wie lange ist die gewährte Garantiezeit und wie lange halten die EWR 2 Gas-Management-Systeme?

Die Garantie für das Gerät beträgt 2 Jahre ab Lieferdatum an den Erstkäufer.

Auf die Frage, wie lange die EWR 2 Gas-Management-Systeme halten, gibt es keine präzise Antwort. Wir haben einige Geräte seit mehr als 4 Jahren ohne Probleme in Produktionsumgebungen im Einsatz.

Es ist wichtig, einen jährlichen Kalibrierservice für das EWR 2 durchzuführen und sicherzustellen, dass die Gasversorgungsleitungen frei von Ablagerungen sind. Denn die größte Gefahr für die Geräte besteht darin, dass Schmutz in das schnell regelnde Magnetventil gelangt und die Funktion dadurch beeinträchtigt wird.

EWR 2-Geräte können direkt vor Ort von unserem ABICOR BINZEL Service-Team kalibriert werden (~15 min pro Gerät) oder zur Wartung und Kalibrierung eingeschickt und mit einem ausgedruckten Kalibrierbericht an den Anwender zurückgesendet werden.

 

Wenn Sie weitere Fragen zu den EWR 2-Geräten und ihren Gasspar- und Überwachungsfunktionen haben, sprechen Sie unser Team gerne direkt an oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

 

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Themen: Gasmanagement